Wer sein E-Bike mit Shimano-STePS-Antrieb über die werkseitig eingestellte 25-km/h-Grenze hinaus nutzen möchte, stößt schnell auf die Software des deutschen Ingenieurbüros eMax-Tuning. Hinter dem Unternehmen steht Dipl.-Ing. Markus Schlegel – und hinter dem Prozess steckt mehr Handarbeit, als mancher erwartet.
Was ist miniMax überhaupt?
miniMax ist ein Windows-Programm, das vom Ingenieurbüro HardSoft (Inh. Markus Schlegel) entwickelt wird und speziell für Shimano-STePS-Motoren konzipiert ist. Es erlaubt, die Motorunterstützung auf bis zu 45 oder 50 km/h anzuheben – je nach Motorgeneration und Firmware-Version. Der entscheidende Unterschied zur Hardware-Manipulation: Es wird nichts am Fahrrad physisch verändert. Alle Einstellungen lassen sich jederzeit auf den Originalzustand zurücksetzen.
Die Software existiert in mehreren Varianten. Während freeMax kostenlos die Motor-Charakteristik feintunen lässt (etwa für mehr Reichweite im Eco-Modus), benötigt miniMax für die eigentliche Geschwindigkeitsanhebung einen kostenpflichtigen, fahrradgebundenen Lizenzschlüssel (119 €). Dieser Schlüssel ist einmalig und gilt dauerhaft für alle aktuellen und zukünftigen Programmversionen.
Was wird benötigt?
Die Vorbereitung ist überschaubar, aber präzise. Folgendes Equipment ist zwingend erforderlich:
- Windows-PC (Windows 7, 8 oder 10, 11)
- Shimano SM-PCE02-Interface (der Vorgänger PCE01 funktioniert nicht zuverlässig)
- Kabel SD300 sowie Adapter EW-JC304 bzw. EW-JC302 – je nach Anschlussgeometrie am Fahrrad
- Shimano E-Tube Project Professional (kostenloser Download von Shimano)
- miniMax-Software (kostenloser Download von emax-tuning.com)
Ein wichtiger Punkt, der leicht übersehen wird: Die Shimano-Software E-Tube Project Professional muss zwingend zuerst installiert werden – nicht, weil man sie dauerhaft benötigt, sondern weil das Installationspaket die notwendigen USB-Treiber für das SM-PCE02-Interface enthält. Ohne diese Treiber erkennt Windows das Interface nicht.
Bei manchen Fahrrädern, etwa dem Orbea Rise, ist der Zugang zum relevanten Stecker (EW-JC302) einfacher als erwartet: Beim Rise H genügt es oft, die Abdeckung des Kabeleingangs am Oberrohr zu entfernen. Beim Rise M sind es lediglich die Schrauben am Vorbau – ein direkter Eingriff am Motor ist in diesen Fällen nicht notwendig.
Die Verbindung herstellen — Reihenfolge zählt
Die Reihenfolge beim Verbinden ist nicht beliebig:
- Fahrrad einschalten
- SM-PCE02-Interface anschließen (am Fahrradstecker)
- PC mit Interface verbinden
- miniMax starten
Wer diese Reihenfolge nicht einhält, riskiert, dass das Interface nicht erkannt wird oder der Port nicht geöffnet werden kann.
Die elektronische Seriennummer – der entscheidende Schritt
Für die Lizenzbestellung benötigt man die elektronische Seriennummer des Motors. Diese steht nicht auf dem Motorgehäuse und kann auch mit der Standard-Software von Shimano nicht ausgelesen werden. Sie lässt sich ausschließlich über miniMax (oder die eMaxMobileApp) per Software auslesen.
Der empfohlene Weg: Nach dem Öffnen des Ports in miniMax auf „Informationen auslesen“ klicken, dann einen Screenshot der angezeigten Fahrraddaten anfertigen. Dieser Screenshot wird per E-Mail an Markus Schlegel geschickt. Tipp aus der Praxis: Die Seriennummer zusätzlich direkt in den E-Mail-Betreff kopieren – so kann die Anfrage auch vom Smartphone aus schnell bearbeitet werden, ohne den Screenshot öffnen zu müssen.
Der Lizenzschlüssel ist anschließend innerhalb von 24 Stunden verfügbar, meist deutlich schneller. Der Support ist nach Angaben des Anbieters an sieben Tagen in der Woche erreichbar.
Die Optimierung durchführen – zwei Klicks, aber in der richtigen Reihenfolge
Sobald der Lizenzschlüssel vorliegt, kann die eigentliche Anpassung beginnen. Auch hier gilt eine definierte Abfolge in miniMax:
- Zunächst die Landeseinstellung wählen – etwa
[US] USA (45 km/h)– und „Setze Bestimmungsort" klicken. - Erst danach unten rechts die gewünschte maximale Geschwindigkeit (z. B.
45,00) eintragen und „Setze maximale Geschwindigkeit [km/h]“ bestätigen.
Diese beiden Schritte sind getrennte Aktionen und dürfen nicht gleichzeitig oder in umgekehrter Reihenfolge ausgeführt werden.
Bei der Eingabe des Lizenzschlüssels ist außerdem auf eine eventuell vorhandene führende Null zu achten – ein häufig übersehenes Detail, das zu Fehleingaben führt.

Vor dem Werkstattbesuch zurücksetzen
Wer sein Fahrrad in die Shimano-autorisierte Werkstatt bringt oder dort eine Diagnose mit der offiziellen E-Tube-Software durchführen lässt, sollte vorher über miniMax die Originaleinstellungen wiederherstellen. Andernfalls erscheinen im Servicebericht rote Warnmeldungen, die erklärungsbedürftig sind.
Nach der Kabellösung: Bluetooth für unterwegs
Sobald die initiale Optimierung einmal per Kabel und Lizenzschlüssel durchgeführt wurde, lässt sich die Motorunterstützungsgeschwindigkeit nachträglich bequem über die eMaxMobileApp (iOS und Android) per Bluetooth zwischen 25 und 45 km/h anpassen – ohne erneuten PC-Einsatz, ohne Kabel, direkt vom Smartphone aus.
Rechtlicher Hinweis
Die Anhebung der Motorunterstützung über 25 km/h verändert die Fahrzeugklasse. Ein so modifiziertes E-Bike ist in Deutschland nicht mehr als Pedelec im Sinne der StVZO zulässig, sondern wird rechtlich wie ein Kleinkraftrad eingestuft. Es sind dann Versicherungskennzeichen, Helm und gegebenenfalls Führerschein erforderlich. Wer die Optimierung für den ausschließlichen Einsatz auf privatem Gelände oder auf speziell freigegebenen Strecken nutzt, bewegt sich in einem anderen rechtlichen Rahmen. In jedem Fall sollte man sich vor der Nutzung im öffentlichen Straßenverkehr über die geltende Rechtslage informieren.
Weitere Informationen und die aktuelle Dokumentation: www.emax-tuning.com


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