Test: Nikon Z5 II auf Motorradreise – Vollformat mit kleinen Abstrichen

Nikon Z5II Vollformat für Einsteiger
Nikon Z 5IIVollformat für Einsteiger

Die Nikon Z5 II ist keine Sportkamera, und sie will keine sein. Sie ist die Vollformat-Kamera für alle, die unterwegs mit Handschuhen, wenig Zeit und wechselndem Licht gute Bilder brauchen. Das gelingt ihr in fast allen Punkten. Bei einem Detail ärgert sie.

Was sich gegenüber der Z5 (2020) ändert

Die Z5 II ist mehr als ein Facelift. Nikon hat Technik aus Z8 und Z9 ins Einstiegsgehäuse gepackt, und das merkt man in der Praxis. Die wichtigsten Unterschiede im Überblick:

Merkmal Z5 (2020) Z5 II (2025)
Sensor 24,3 MP, nicht rückwärtig belichtet 24,5 MP, BSI-CMOS (nicht gestapelt)
Prozessor EXPEED 6 EXPEED 7 (wie Z8/Z9)
Autofokus Klassische Messfelder, schwache Verfolgung KI-Motiverkennung (9 Motivarten), 3D-Tracking, AF-A; Fokussierzeit laut Nikon rund ein Drittel
Serienbild 4,5 B/s bis 14 B/s
Video 4K 30p mit 1,7-fachem Crop 30p ohne Crop, 60p mit 1,5-fachem Crop
Full-HD bis 60 fps bis 120 fps
Videoformate intern nur 8 Bit 10-Bit-HEVC, N-RAW (12 Bit) intern
Display neigbar vollschwenkbar, 2,01 Mio. Bildpunkte
Fernbedienung bisheriger Nikon-Anschluss neuer 3,5-mm-Anschluss
Gewicht rund 700 g, nahezu unverändert

Auf der Tour zählen vor allem drei dieser Punkte: der schnellere und treffsicherere Autofokus, die BSI-Technik für sauberere Dateien bei schwachem Licht und das Display, das sich jetzt in alle Richtungen drehen lässt. Der Videosprung ist groß, bei der Zielgruppe dieser Seite aber eher Zugabe als Kaufgrund.

Bedienung: viele Direktzugriffe

Auf der Motorradreise zählt, was sich ohne Menü erledigen lässt. Die Z5 II bietet viele Direktzugriffe auf Tasten und Rädern. Wer an der Passhöhe Belichtung, Fokusmodus und Bildstil umstellen will, braucht das Menü kaum. Das ist der größte Praxisgewinn gegenüber manch teurerer Kamera mit verschachtelter Bedienung.

Das schwenkbare Display ist mehr als ein Gimmick. Für Aufnahmen aus tiefer Perspektive neben dem Motorrad im Schotter oder aus der Hüfte ist es ein echter Vorteil. Ein Schulterdisplay fehlt, das lässt sich verschmerzen.

Autofokus und Akku

Die AF-Modi sind vielfältig und gut abgestimmt. Die Motiverkennung deckt Menschen, Tiere und Fahrzeuge ab, was bei Reisemotiven selten Wünsche offenlässt. Der Akku hält ordentlich durch. Wer mehrere Tage ohne Steckdose unterwegs ist, kommt mit einem Ersatzakku gut zurecht.

Die Objektive: Hier entscheidet sich die Bildqualität

Die Bilder der Z5 II sind gut, wie gut, hängt vom Objektiv ab. Das Z-Bajonett bietet dafür eine große Auswahl. Wir haben drei Objektive mit auf Tour genommen:

NIKKOR Z MC 105 mm 1:2,8 VR S – das Highlight. Dieses Objektiv ist der heimliche Star des Sets, und das nicht nur wegen der Makrofähigkeit. Mit Abbildungsmaßstab 1:1 holt es Details heran, die man sonst übersieht: Blüten am Wegesrand, Kettenglieder, Gravuren, Rost an Tankstellenschildern. Gleichzeitig ist es mit seiner Lichtstärke von f/2,8 ein hervorragendes Porträtobjektiv mit schönem Hintergrund. Die Schärfe ist hervorragend, wie man es von Nikons S-Linie erwartet, und der eingebaute Bildstabilisator VR hilft zusätzlich bei Aufnahmen aus der Hand. Wer nur ein Objektiv für Details, Menschen und Nahaufnahmen mitnehmen will, ist mit diesem bestens bedient. Auf der Tour bekommt es dafür in der Tasche den Platz, den es verdient.

NIKKOR Z 14–30 mm f/4 S. Das Weitwinkelzoom ist die erste Wahl für Landschaften, enge Gassen und Campingplatz-Szenen. Die S-Qualität ist auch hier spürbar, die Anfangsöffnung f/4 reicht für Reisezwecke.

NIKKOR Z 28–400 mm f/4–8 VR. Das Reisezoom ist der Kompromiss im Set: ein riesiger Brennweitenbereich in einem Objektiv, bezahlt mit einer geringen Lichtstärke am langen Ende. Bei Sonne unproblematisch, in der Dämmerung nicht. Für den Alltag auf Tour bleibt es dennoch die praktischste Lösung, wenn nur ein Objektiv mitfahren soll.

HDR: gut, aber versteckt

Die HDR-Funktion ist etwas versteckt. Wer in kontrastreichen Szenen wie Alpenpässen mit tiefen Schatten und Gegenlicht fotografiert, sollte sie sich gleich auf eine Taste legen.

Was nicht überzeugt

Der Sensor ist nicht gestapelt. Er ist rückwärtig belichtet und für den Preis sehr gut. Ein Stacked-Sensor wie in Z8 oder Z9 bleibt aber der teureren Klasse vorbehalten. Das spürt man bei schnellen Motiven, beim elektronischen Verschluss und bei Video durch Rolling-Shutter-Effekte. Für Reisefotografie reicht der Sensor locker, für schnelle Action nicht.

Der Fernbedienungsanschluss ist neu (3,5 mm). Das ist ärgerlich. Wer Fernauslöser oder Kabelfernbedienungen früherer Nikon-Kameras besitzt, muss neues Zubehör kaufen. Für Langzeitbelichtungen und Zeitraffer vom Stativ ist das eine unnötige Hürde.

Fazit

Die Z5 II ist eine solide Reisekamera mit viel Bedienkomfort, ordentlichem Akku und guter Bildqualität. Der Abstand zur Z5 ist größer, als die gleiche Bauform vermuten lässt. Der fehlende Stacked-Sensor ist verschmerzbar, der neue Fernbedienungsanschluss nicht. Mit dem Makro 105 mm f/2,8 im Gepäck bekommt man ein Set, das auf Tour mehr kann, als das Gehäuse allein verspricht.

  • das gedichtete Magnesium-Gehäuse fühlt sich wertig an
  • Gute Schärfeausbeute, das spricht für Treffsicherheit beim AF

 

  • Keine beleuchteten Bedientasten, keine Motovprogramme
  • Kein Schulterdisplay (Status-LCD)
  • neuer Fernbedienungsstecker