Wie gut ist die neue BMW F 450 GS Trophy?
F 450 GS Sound
Tops und Flops
Testzeitraum April/Mai 2026
Erste Bewertungen:
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Vergleichstabelle: Aktuelle 450er Adventure-Motorräder – Gewicht und Reichweite
| Modell | ccm | PS | Gewicht (fahrfertig) | Tank | Reichweite (ca.) | Preis DE |
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BMW F 450 GS
MY 2026
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420 | 48 | 14 L | ab 7.220 € | ||
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CFMoto 450 MT
MY 2024/2025
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449 | 42 | 17,5 L | ab 5.990 € | ||
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Royal Enfield Himalayan 450
MY 2024/2025
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452 | 40 | 17 L | ab 5.890 € | ||
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KTM 390 Adventure R
MY 2025 373 cc
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373 | 43 | 14,5 L | ca. 7.200 € | ||
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Honda NX500
MY 2024/2025 471 cc
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471 | 48 | 17,5 L | ab 7.500 € |
Reichweite rechnerisch (Tank × 100 / Herstellerverbrauch). KTM 390 Adv R und Honda NX500 sind keine 450er im eigentlichen Sinne, aber direkte Wettbewerber in der Klasse. Alle Angaben ohne Gewähr.
5. Fahrwerk & Handling
Radstand und Geometrie der F 450 GS vermitteln auf Feldwegen solides Vertrauen – die Fuhre liegt, wo sie soll. Doch sobald Schlaglöcher auftauchen, zeigt sich die Kehrseite: Die etwas kleineren Räder, unterdimensioniert für echte Enduro-Verhältnisse, plumpsen regelrecht hinein, statt darüber hinwegzurollen. Lenker und Sitzposition bewegen sich irgendwo zwischen Enduro und Supermoto – der Lenker ist spürbar gekröpft, die Haltung damit weniger aufrecht als bei klassischen Einspur-Geländemaschinen. Echtes Einzylinder-Enduro-Feeling will sich dabei nicht so recht einstellen.
Cockpit & Ausstattung
Zwei Cockpits stehen zur Wahl; das sportlichere zeigt Schräglage, Drehmoment und den Einsatz der Traktionskontrolle – Fahrzeugdaten lassen sich auch während der Fahrt abrufen, was praktisch ist. Ein Reifendruckkontrollsystem fehlt jedoch. Temperaturanzeige, Tempomat und Navigation sind Sonderzubehör und kosten entsprechend extra.
EC-Getriebe: Komfort mit Tücken
Das elektronische Kupplungssystem (EC-Getriebe) erlaubt beim Anfahren keine manuelle Kupplung – der Fahrer muss warten, bis der Motor 2.700 bis 3.000 U/min erreicht, bevor die Kupplung vollständig einrückt. Das System kompensiert Fehlschaltungen durch erhebliches Schleifen der Kupplungsscheiben; theoretisch lässt sich so sogar im fünften Gang mit Tempo 20 fahren. Im Stop-and-Go oder Stau wird das zum Problem: Die Kupplung arbeitet ständig und greift bei höheren Drehzahlen ruppig ein.
Charakter & Zielgruppe
Optisch erinnert die F 450 GS an eine kleine Paris-Dakar-Ikone – in der Realität ist sie das auch, nur eben deutlich kompakter. Für Fahrer über 1,80 m wirkt die Maschine zu klein und eng. Ihre Domäne sind enge, kurvenreiche Bergstraßen: Im Harz funktionierte das hervorragend. Der Verbrauch liegt selbst bei sportlicher Fahrweise bei rund 3,7 l/100 km – ein akzeptabler Wert. Auf der Autobahn ist bis 130 km/h alles entspannt; 160 km/h sind möglich, aber dann ist der Motor deutlich am Limit.
Verarbeitung & Trophy-Version
Qualitativ zeigt sich BMW gewohnt solide: Seitenständer, Anbauteile und Verarbeitungsgüte sind tadellos. Die Trophy-Ausführung ergänzt das Serienmodell um die charakteristische Blau-Weiß-Rot-Lackierung, eine spezielle Sitzbank (Sonderzubehör), Sturzbügel und einen Aluunterfahrschutz.
5. Autobahn
Auf der Autobahn geht es entsprechend der 48 PS bis 150 km/h flott voran, allerdings haben größere Personen etwas mit dem Winddruck zu kämpfen. Das originale Windschild ist nicht verstellbar und so kommt es zu Turbulenzen. Der Motor verrichtet relativ ruhig, aber mit leichten Vibrationen seine Arbeit. Der Verbrauch kann je nach Beladung auf 3,8 bis über 4 Liter ansteigen. Das Cockpit und die Bedienelemente sind leicht zu erreichen, während die Lenkerarmaturen nicht beleuchtet sind. Als Stop-and-go-Verkehr aufkommt, merkt man, dass die ERC viel zu tun bekommt. Wie sich das auf Temperatur und Motoröl auswirkt, wird man später sehen. Hier wünscht man sich die manuelle Kupplung zurück. Auch zum langsam untertourig tuckern. Wer gerne die hinteren Fußrasten zum Ablegen verwendet, wird erstaunt sein, wie hoch die angebracht sind. GPS-gemessen komme ich einmal auf 160 km/h. Der Geradeauslauf stimmt, aber ab 140 wird es einfach ungemütlich auf der kleinen GS. Klare Empfehlung: Landstraßen und enge Kurven!
Was nehmen sich CFMoto und BMW in der 450er Klasse?
Zwei Weltbilder für denselben Führerschein – und kaum mehr Ähnlichkeit als die Kubikzahl. Wir haben beide A2-Reiseenduros konsequent auf Tourentauglichkeit, Soziusbetrieb und Offroad-Einsatz abgeklopft. Das Ergebnis ist ernüchternder als die Marketingprospekte ahnen lassen.
Wenn China den Münchner Platzhirsch herausfordert
Wer im Frühjahr 2026 auf einem A2-Führerschein sitzt und eine Reiseenduro kaufen möchte, hat das erste Mal seit Jahren ein echtes Problem: die Qual der Wahl. Während BMW mit der F 450 GS Trophy endlich das Versprechen einer echten kleinen GS einlöst – inklusive X-förmigem LED-Tagfahrlicht in der Familientradition der R 1300 GS –, rollt die CF Moto 450 MT MY 2026 bereits im zweiten Produktionsjahr mit verfeinertem Fahrwerk, dem X-Box-Konnektivitätssystem und nun fünf Jahren Garantie durch die Händler. Und das für bis zu zweitausend Euro weniger.
Beide Maschinen teilen denselben Führerscheinrahmen, dieselbe Bereifungsgröße auf der Vorderachse, denselben Anspruch. Aber sie könnten kaum unterschiedlicher sein: hier das pragmatische Produkt aus Hangzhou mit Bewährtheitsvorteil, dort das Debütmodell aus München – gebaut in Indien, durchentwickelt in Bayern. Wir sind dabei beide Maschinen mehrere Wochen lang quer durch Deutschland (und Italien) und auf unbefestigten Wegen zu bewegen, mit und ohne Sozius, mit und ohne Gepäck. Was wir dabei erleben, taugt weder als reine CF-Moto-Fangeschichte noch als BMW-Heiligsprechung.
Motor: Gleiche Klasse, anderer Charakter
Die CF Moto 450 MT MY 2026 schöpft aus einem 449-cm³-Paralleltwin mit 270-Grad-Hubzapfenversatz. In Europa homologiert auf 42 PS und 42 Nm – beide Werte bei vergleichsweise moderaten Drehzahlen anliegend. Der Motor ist das stärkste Argument der CF Moto: Er läuft kultiviert, dreht bereitwillig, und die doppelte Ausgleichswelle eliminiert störende Vibrationen selbst auf der Autobahn. Bei niedrigen Drehzahlen gibt er sich dabei überraschend gutmütig – wer Lastwechsel provoziert, bekommt ein leichtes Ruckeln, das die Anti-Hopping-Kupplung jedoch gut in Grenzen hält. Der Motor macht schlicht und ergreifend keine Ausreißer. Er tut, was man von ihm verlangt, und er tut es zuverlässig.
Die BMW F 450 GS Trophy setzt dagegen auf einen komplett neu entwickelten 420-cm³-Paralleltwin mit dem ungewöhnlichen 135-Grad-Hubzapfenversatz. Das Ergebnis klingt auf dem Papier interessant und fühlt sich in der Praxis anders an als erwartet: 80 Prozent des Drehmoments liegen laut BMW bereits ab 3.000 Touren an, was sich vor allem in der Stadt und im langsamen Geländefahren als echter Vorteil erweist. Mit 48 PS und 43 Nm ist der BMW-Twin minimal stärker – im Tourenalltag spürt man das kaum. Was man spürt: Eine leichte Vibrationsneigung am Lenker bei Autobahnreisegeschwindigkeit oberhalb von 130 km/h. Kein Showstopper, aber ein Detail, das auf Langstrecke auffällt.
Beide Motoren schalten über ein 6-Gang-Getriebe. Die CF Moto macht das mit kurzen, knackigen Schaltwegen und einer leicht zu betätigenden Kupplung – ideal für intensive Geländepassagen. Die BMW Trophy kommt serienmäßig mit der Easy Ride Clutch (ERC), einem drehzahlabhängigen Fliehkraftmechanismus. Die ERC ist eine echte Innovation: Sie kuppelt beim Anhalten automatisch aus, lässt aber die Motorbremse bis zur Leerlaufdrehzahl wirken. In Kombination mit dem ebenfalls serienmäßigen Shift Assist Pro ist das Kupplungsziehen für weite Strecken tatsächlich optional. Kritikwürdig: In Schräglage am Hang mit abgestelltem Motor rollt die BMW unkontrolliert zurück – das ERC-System verhindert das Abstellen in Gangstellung. Mit eingelegten Gang und Killschalter kann man es dennoch überlisten. Ein Anschieben bei leerer Batterie ist ebenfalls Geschichte. Das funktioniert nur, wenn das Motorrad noch rollt und wenn Zündstrom vorhanden ist. Dann reagiert das rollende Bike auf Kupplung und eingelegten Gang.
Fahrwerk: Wo die Euros den Unterschied machen
Die CF Moto 450 MT MY 2026 fährt mit einer volleinstellbaren 41-mm-KYB-Upside-down-Gabel und einem Zentralfederbein mit externem Ausgleichsbehälter – beides in Vorspannung und Zug-/Druckstufe abstimmbar. 200 Millimeter Federweg vorn wie hinten. Das ist für diese Preisklasse außergewöhnlich. Die Abstimmung ab Werk tendiert zu Komfort und Geradeauslauf: Leistungsstarkes Wheelying gehört nicht zum Repertoire, Sicherheit auf Piste und Asphalt dafür schon. Wer sportlicher fahren möchte, dreht die Gabel einfach straffer – das System verzeiht Fehler großzügig.
Die BMW F 450 GS Trophy verwendet ebenfalls KYB-Komponenten, die Gabel hier mit 43 mm Standrohrdurchmesser. Der entscheidende Unterschied zum Vorderrad: Das BMW-Fahrwerk setzt hinten auf wegabhängige Dämpfung (WAD) aus dem Rallyesport – ein System, das ohne progressive Hebel auskommt. Das klingt technisch beeindruckend und ist es in der Praxis auch: Selbst harte Landungen nach kleinen Sprüngen bringt die BMW-Hinterradaufhängung erstaunlich souverän weg. Aber: Der Federweg schrumpft auf 180 Millimeter, und auf der Straße fährt sich die Trophy mit dem straffer abgestimmten Trophy-Fahrwerk deutlich sportlicher als die CF Moto – in Kurven präzise und direkt, über lange Touren aber auch ermüdender. Das 19-Zoll-Vorderrad der BMW (statt 21 Zoll bei der CF Moto) macht die kleine GS in Kurven agiler, nimmt ihr aber etwas von der Naturstraßen-Souveränität auf losem Geläuf.
Beide Modelle verfügen über Speichenräder – bei der BMW kostet dieses Option allerdings rund 1.000 Euro Aufpreis gegenüber den serienmäßigen Gussrädern. Ein Detail, das beim Vergleich der Listenpreise gern übersehen wird.
Touren-Tauglichkeit: Reichweite, Wind und Sitzkomfort
Auf langen Etappen trennt sich schnell, was ein echter Reisebegleiter ist und was ein Wochenend-Adventure-Bike mit Reiseenduro-Aufkleber. Beide Maschinen haben hier echte Stärken – und echte Schwächen.
CF Moto 450 MT: Der 17,5-Liter-Tank ist das beste Argument für Reisende. Bei einem Realverbrauch von rund 4,5 Litern auf 100 km ergibt sich eine Reichweite von knapp 380 Kilometern unter günstigen Bedingungen. Das reicht für komfortable Reisetagestouren ohne permanente Tankstoppsucherei. Die Windscheibe ist stufenlos verstellbar – eine Seltenheit in dieser Klasse und im Tourenalltag ein echter Komfortgewinn. Die Sitzposition hinter dem hochaufragenden Tank ist allerdings eine Zweischneidigkeit: Bis 180 cm Körpergröße sitzt man komfortabel integriert; wer größer ist, kämpft mit dem Kniewinkel. Über lange Etappen auf der Autobahn bei Richtgeschwindigkeit bleibt der 449er Motor entspannt im Bereich von 6.000 bis 7.000 Touren – Reserven sind vorhanden, Vibrationen halten sich in Grenzen.
BMW F 450 GS Trophy: Der Tank fasst nur 14 Liter. BMW gibt 3,8 Liter auf 100 km an – realistisch sind 4,5 Liter bei Überlandfahrten mit Gepäck. Das bedeutet: Theoretische Reichweite von rund 300 Kilometern, praktisch eher 260 bis 280 km. Für Alpenüberquerungen oder Marokkotouren mit dünnem Tankstellennetz ist das ein ernstes Planungsargument. Das 6,5-Zoll-TFT-Display mit BMW Multi Controller ist deutlich übersichtlicher als das CF-Moto-Cockpit aber nicht schärfer; Bluetooth-Konnektivität und die BMW Motorrad Connected App mit Pfeilnavigation sind im Standard dabei. Wer echte Kartennavigation möchte, zahlt für den ConnectedRide Navigator extra. Auf der Autobahn neigt der Lenker oberhalb von 130 km/h zu Schwingeintrag – kein Dauerschmerz, aber ein Qualitätsmangel, den man für 7.990 Euro nicht erwartet.
Soziusbetrieb: Einer zu viel?
Wer regelmäßig mit Mitfahrer unterwegs ist, muss bei beiden Maschinen realistisch sein: Diese Klasse ist für den Zweipersonenbetrieb zugelassen, aber nicht optimiert.
CF Moto 450 MT: Die Sitzbank für Fahrer und Sozius ist großzügiger dimensioniert als bei vielen Wettbewerbern. Die Haltegriffe sind serienmäßig verbaut, die Fußrasten gummiert und ausreichend positioniert. Für einen Mitfahrer bis 70 Kilogramm funktioniert die Kombination auf Tagesetappen gut. Das Fahrwerk mit seinen 200 Millimetern Federweg kompensiert das zusätzliche Gewicht anständig – allerdings sollte man die Federvorspannung (Hakenschlüssel unter der Sitzbank!) für Zweipersonenbetrieb anpassen, was dank der Einstellmöglichkeiten unkompliziert geht. Kritisch: Die maximale Zuladung ist begrenzt. Mit einem schweren Sozius und Gepäck nähert sich das Gesamtgewicht schnell kritischen Bereichen für das Fahrwerkssetup.
BMW F 450 GS Trophy: Hier ist die Situation noch ehrlicher. Die Soziusbank ist kompakter, die Haltegriffe funktional, aber die BMW wiegt vollgetankt mit Gepäck kaum weniger als die CF Moto – und hat dabei weniger Federweg zur Reserve. Was die BMW theoretisch besser macht: Das schräglagenabhängige ABS Pro reagiert auch im Zweipersonenbetrieb präziser auf veränderte Gewichtsverteilung. Und die Easy Ride Clutch klingt beim Anfahren mit Sozius zunächst wie die Lösung aller Probleme – kein Abwürgen, kein Rucken. In der Praxis sieht das aber differenzierter aus. Die Fliehkraftkupplung kuppelt drehzahlabhängig ein, nicht fahrerseitig kontrolliert. Wer seinen eigenen Einkuppelpunkt kennt und bewusst dosiert – etwa beim Anfahren an einem Berghang mit schwerem Sozius und Gepäck –, verliert genau diese Kontrolle. Das ERC bestimmt, wann eingekuppelt wird. Das Motorrad schiebt an, bevor der Fahrer es will, oder hält länger im Leerlauf als erwartet. Für ungeübte Fahrer ist das eine Entlastung; für erfahrene Tourenfahrer mit eigenem Anfahrrhythmus kann es eine unerwünschte Bevormundung sein, die im Zweifelsfall – Steigung, loser Untergrund, schwere Beladung – zu unvorhergesehenen Reaktionen führt. Dass das ERC in der Trophy-Version nicht deaktiviert werden kann, macht diesen Punkt zum echten Diskussionspunkt. 180 Millimeter Federweg hinten bei vollem Beladungszustand verlangt zudem nach korrekter Abstimmung, sonst landet man bei Schlaglöchern schmerzhaft auf dem Endanschlag.
Gepäck: Koffer gegen Improvisationstalent
Reisen ohne Gepäck ist Legende. Was taugen die beiden Maschinen als echte Lastenträger?
CF Moto 450 MT: CF Moto bietet ein dreiteiliges Aluminium-Koffersystem als Originalzubehör an. Die Montageplatten passen serienmäßig ohne Adaptionen. Das ist für einen chinesischen Hersteller dieser Preisklasse bemerkenswert. In der Praxis: Die Koffer sind solide, die Schlösser funktional, die Wasserdichtigkeit ausreichend. Ein Topcase komplettiert das System zu einem vollständigen Reisegepäckset. Wer auf Weichluggage setzt, findet durch die robuste Gepäckbrücke gute Befestigungsmöglichkeiten. Der Schwachpunkt: Die Verbindung zwischen Koffern und Rahmen ist nicht die spielfreieste auf dem Markt – bei langen Schlaglochpassagen hört man das Klappern. Kleineres Übel, aber beim nächsten Update behebbar.
BMW F 450 GS Trophy: Im deutschen Listenpreis von 7.990 Euro sind keine Koffer enthalten. BMW bietet ein eigenes Koffersystem an – zu erwartungsgemäß deutschen Zubehörpreisen. Das Ökosystem ist ausgereift, passt perfekt ans Motorrad und sieht gut aus. Wer aber schon das Basismodell im Budget hat, zahlt für ein vollständiges Gepäcksystem schnell weitere 700 bis 1.200 Euro. Ein Reisemotorrad ohne serienmäßige Gepäckoption für knapp 8.000 Euro ist ein Konzeptfrage: Ist die F 450 GS Trophy ein Reisemotorrad oder ein Adventure-Bike, das man zum Reisemotorrad aufrüsten muss? Die Frage beantwortet sich beim ersten Blick auf die Zubehorliste.
Offroad-Tauglichkeit: Wer traut sich mehr?
Beide Maschinen tragen die Adventure-DNA nach außen. Aber der Teufel liegt im Detail der Reifenauswahl und Rahmendimensionierung.
CF Moto 450 MT: Das 21/18-Zoll-Speichenrad-Setup mit ab Werk montierten Metzeler Karoo Street ist die konsequentere Offroad-Konfiguration. Die 21-Zoll-Vorderachse verzeiht Hindernisse und losen Untergrund souveräner als ein 19-Zöller. Mit 220 Millimeter Bodenfreiheit und 200 Millimeter Federweg vorn und hinten ist das Motorrad für Forststraßen, Schotterpässe und mittelgründige Pisten bestens gerüstet. Das Fahrwerk ist auf Sicherheit und Geradeauslauf getrimmt – dynamische Spielereien wie Stoppies oder Wheelies gehören nicht zum Repertoire, dafür dankt einem die MT jede unbefestigte Alpenquerung mit Souveränität. Das hinten abschaltbare ABS und die deaktivierbare Traktionskontrolle sind per Knopfdruck erreichbar.
BMW F 450 GS Trophy: Das Serienmodell läuft auf Gussrädern in 19/17-Zoll. Speichenräder kosten Aufpreis. Wer die Trophy ernsthaft im Gelände bewegen will, sollte das einkalkulieren. Der Enduro Pro-Modus der Trophy-Variante schaltet geländespezifische ABS- und Traktionskontrolleinstellungen frei – und das funktioniert gut. Die wegabhängige Dämpfung des Hinterrads absorbiert Sprünge und Stufen beeindruckend gleichmäßig. Das BMW-Fahrwerk ist im direkten Geländevergleich das reaktivere und kommunikativere – wer fahrerisch etwas kann und das Motorrad lesen möchte, wird die Trophy bevorzugen. Das 19-Zoll-Vorderrad kostet auf tiefen Spurrillen etwas Gelassenheit. Insgesamt ist die Trophy offroad kein Spielzeug, aber sie setzt mehr fahrerisches Können voraus als die verzeihende CF Moto.
Elektronik & Ausstattung: Klassenkampf auf Knopfdruck
Beide Maschinen bieten für ihre Preisklasse bemerkenswert viel Elektronik – mit unterschiedlichen Ansätzen.
Die CF Moto 450 MT arbeitet mit einem 5-Zoll-TFT-Display, Bosch Zweikanal-ABS (Hinterrad abschaltbar), Bosch-Traktionskontrolle (abschaltbar) und USB-C-/USB-A-Ladebuchsen serienmäßig. Neu beim MY 2026 ist das X-Box-Konnektivitätssystem: Es verbindet Smartphone, Display und die CF Moto RideSync-App über Bluetooth zu einem geschlossenen Informationskreislauf – Navigationspfeile, Anrufe, Fahrdaten laufen gebündelt auf das TFT, ohne Zusatzabonnement, ohne monatliche Gebühren. Das ist im Vergleich zur BMW-Welt erfreulich unkompliziert. Was fehlt: Fahrmodi, schräglagenabhängiges ABS, IMU. Für Alltag und gemäßigtes Reisen ist das kein Problem. Für ambitioniertere Geländeeinsätze offenbart sich die Systemgrenze.
Die BMW F 450 GS Trophy spielt in einer anderen Liga der Elektronikdichte: schräglagenabhängiges ABS Pro, Dynamic Brake Control, Motorschleppmomentregelung, Enduro Pro-Modus, Easy Ride Clutch, Shift Assist Pro, 6,5-Zoll-Display mit Multi Controller. Das ist für ein A2-Motorrad geradezu lächerlich umfassend ausgestattet – und im Gelände spürbar. Der Preis dafür: Komplexität. Wer am Motorrad schrauben oder mit der Elektronik experimentieren möchte, muss sich durch mehr Menüebenen kämpfen. Und wer das ERC-System nicht mag – Glück gehabt, bei der Trophy ist es fest eingebaut und nicht deaktivierbar.
Verarbeitung & Qualität: Made in China vs. Made in India
Eine unliebsame Wahrheit für beide Hersteller: Keines dieser Motorräder wird in Deutschland oder Europa gebaut. Die CF Moto kommt aus Hangzhou, China; die BMW F 450 GS – wie zuvor die G 310 GS – aus dem TVS-Werk in Hosur, Indien.
CF Moto 450 MT: Die Verarbeitungsqualität hat sich gegenüber der ersten Generation spürbar verbessert. Spaltmaße passen, Lacke decken ordentlich, die verwendeten Komponenten von KYB, Bosch und J.Juan (Brembo-Tochter) sind europäische Qualitätsnamen. Es gibt Detailkritik: Die Bremse vorn mit einzelner 320-mm-Scheibe mit radial montierten Vierkolben-Bremssattel kann es mit der der F 450 GS aufnehmen. Auch die fünf Jahre Garantie (ohne Kilometergrenze, für Neufahrzeuge ab April 2026) ist dagegen ein starkes Vertrauenssignal eines Herstellers, der seine Produkte kennt.
BMW F 450 GS Trophy: Die Erwartung an das BMW-Emblem ist hoch. Erfüllt wird sie in Teilen: Das Design mit der markanten X-förmigen LED-Tagfahrlichtsignatur setzt die Familienähnlichkeit zur R 1300 GS überzeugend um. Brembo (Bybre) vierkolbig vorn, 310-mm-Scheibe – spricht fein an und lässt sich gut dosieren. Kritischer: Die Lieferzeiten, die noch dünne Langzeiterfahrung mit dem komplett neuen Motor und die Erinnerung an die früheren Qualitätsprobleme der G 310 GS sollten potenzielle Käufer nicht aus dem Blickfeld verlieren. BMW betont verbesserte Qualitätskontrolle – die ersten unabhängigen Langzeittests werden das ab Sommer 2026 zeigen.
Preis: Wenn zweitausend Euro Welten trennen
Hier liegt das eigentliche Drama dieses Vergleichs. Die CF Moto 450 MT MY 2026 kostet in Deutschland 5.999 Euro inklusive fünf Jahren Garantie. Die BMW F 450 GS Trophy steht mit 7.990 Euro in der Preisliste – ohne Koffer, ohne Speichenräder, ohne den optionalen ConnectedRide Navigator.
Wer für ein vollausgestattetes Reisegespann plant – Aluminium-Koffer, Speichenräder, Tourenwindschild – zahlt bei der BMW Trophy schnell über 10.000 Euro. Das ist der Einstiegspreis für eine gebrauchte BMW F 750 GS mit mehr Motor, mehr Tank und mehr Erfahrungswert. Diese Rechnung muss jeder Käufer selbst machen. Was die CF Moto für 5.999 Euro bietet, ist schwer zu schlagen (für 700€ gibt es derzeit ein Paket mit leichterem Remus-Auspuff und Alu-Motorschutz): vollständig einstellbares KYB-Fahrwerk, Bosch-Elektronik, Speichenräder, stufenlos verstellbare Windschutzscheibe, 17,5-Liter-Tank und eine Maschine, die seit zwei Produktionsjahren einigermaßen ausgereift ist.
Fazit: Zwei Antworten auf dieselbe Frage
Die CF Moto 450 MT MY 2026 ist das realistischere Reisemotorrad. Mehr Tank, mehr Federweg, günstigerer Einstieg, ausgereifte Mechanik. Wer regelmäßig Touren macht, gelegentlich ins Gelände möchte und mit einem Sozius unterwegs ist, bekommt hier mehr echte Reisemaschine pro Euro als irgendwo sonst in der A2-Klasse. Die Schwächen – bescheidene Bremsanlage, begrenzte Elektroniktiefe, fehlende Fahrmodi – sind für den Zielgruppen-Einsatzbereich.
Technischer Vergleich
| Merkmal | CFMoto | BMW |
|---|---|---|
| Gabel vorne | USD Ø 41 mm, KYB | USD Ø 43 mm, KYB +2 mm |
| Federweg vorne | 200 mm | 180 mm CFMoto +20 mm |
| Einstellbar vorne | Druck, Zug, Vorspannung | Druck, Zug (Sport & Trophy) |
| Federbein hinten | KYB, Gasdruck, Umlenkung | KYB WAD WAD* |
| Federweg hinten | 200 mm | 180 mm |
| Einstellbar hinten | Vorspannung, Zug | Vorspannung, Zug, WAD |
| Schwinge | Aluminium | Alu-Hohlguss |
| Rahmen | Stahl-Gitterrohr | Stahl, Motor tragend |
| Radstand | 1505 mm | 1465 mm |
| Bodenfreiheit | 220 mm | k. A. |
| Bremssattel vorne | J.Juan 4-Kolben radial | Brembo 4-Kolben |
| Scheibe vorne | 320 mm | 310 mm |
| Bremssattel hinten | 1-Kolben | 2-Kolben |
| Scheibe hinten | 240 mm | 240 mm |
| ABS | Bosch | Bosch Pro |
| TCS | Bosch | DTC + MSR |
| Felgen | Speichen, tubeless | Guss / optional Speichen |
| Vorne | 21" | 19" |
| Hinten | 18" | 17" |
| Reifen | Metzeler / CST | Metzeler / Maxxis |
WAD: Wegabhängige Dämpfung.
3. Über Stock und Stein mit Gepäck & Zubehör
Das Gepäck ist im Enduristan-Tankrucksack und in der Ortlieb-Rolle verstaut. BMW bietet weitere Möglichkeiten der Individualisierung. Auch Zubehörexperte SW-Motech steht in den Startlöchern und wird Trägersysteme (EVO, TRAX) voraussichtlich bald im Angebot haben. Viele GS 450 wurden erst im April 2026 ausgeliefert. Original von BMW sind aktuell Vario-System und Aluminiumkoffer in Vorbereitung. Es wird noch ein paar Tage dauern, bis alles über die Händler verfügbar ist.

Fahren mit Gepäck
Da es sich um ein relativ kleines Motorrad handelt, ist eine gute Gepäckplanung wichtig. Wir fahren nur mit einer Rolle, die an den Plastikhalteösen verzurrt wurde, und einem Tankrucksack. Es kann sinnvoll sein, die Fußrastenausleger zum Befestigen von Gurten zu verwenden. Dann ist die Soziustauglichkeit aber passé. Der Tankrucksack sollte den Lenkereinschlag nicht behindern. Der Lenker-Controller des parallel getesteten Zumo XT3 kam leider ab und an gegen den Tankrucksack, so dass es ab und an zu Fehlbedienungen kam.
Unbeeindruckt von der Solo-Beladung ging es über Feldwege, Kolonnenwege und Stock und Stein. Die F ist zwar keine Einzylinder-Enduro à la XChallenge, aber der kleine Einzylinder lässt sich dank gutem Geradeauslauf, stabilen Achsen und hochwertigem Fahrwerk problemlos im leichten Gelände bewegen. Etwas problematisch wird es in den typischen Sandrillen wegen des 19 Zoll Vorderrades, da sollte man am Gas bleiben und in die Rasten steigen! Der Testverbrauch änderte sich von anfangs 3,1 l/100 km auf 3,8 l, weil es über schnellere Straßen nach Hause ging.
Original-Zubehör und Pakete
Bei der Trophy sind folgende Extras inklusive: Schaltassistent Pro, Fahrmodi Pro, Easy Ride Clutch, Sportfahrwerk, Enduro-Fußrasten, Aluminium-Unterfahrschutz, weiße Handschützer sowie ein getöntes Windschild in Rallye-Optik. Der Aufpreis gegenüber dem Modell ohne Trophy beträgt 770 €. Die Kreuzspeichenräder, der Motorschutzbügel, die Lenkererhöhung und die Rallye-Sitzbank sind Originalzubehör und treiben den Preis der abgebildeten Testmaschine auf rund 9.000 €. Für den Satz Kreuzspeichenräder werden allein rund 1.000 Euro fällig – zuzüglich der Kosten für den Tausch der Räder samt Reifen. Der Gesamtaufwand liegt also realistisch eher bei 1.200–1.400 €. Die Trophy wirkt 'vollausstattungsnah', doch Gepäcksysteme, Speichenräder und Schutzkomponenten bleiben konsequent im Zubehörregal.
2. Fahren & Schalten ohne zu kuppeln
Hubzapfenversatz und Fliehkraftkupplung
Die optionale "Easy Ride Clutch" (ERC) – also die Fliehkraftkupplung – ermöglicht das Anfahren und Anhalten, ohne den Kupplungshebel ziehen zu müssen (ähnlich wie die E-Clutch von Honda, aber mechanisch über Fliehkraft geregelt).
Im Schiebebetrieb bleibt sie geschlossen, sodass die Motorbremswirkung voll erhalten bleibt – das kann ein Vorteil gegenüber einfachen Rekluse-Kupplungen im Gelände sein. In der Praxis ist das gewöhnungsbedürftig, weil der Kraftschluss erst bei ca. 3000 U/min Motordrehzahl hergestellt ist. Beim Anfahren kann man mit dem Kupplungshebel also nicht nachsteuern. Neulinge stehen auch oft im 5. Gang an der Ampel und wollen losfahren: Die Kupplung und der Quickshifter verleiten dazu, das runterschalten zu vergessen ;o)).
Der neuartige 135-Grad-Hubzapfenversatz wurde in dieser Form noch nie in einem Serienmotorrad dieser Klasse verwirklicht. Er verleiht der GS einen dem Boxer ähnlichen Sound. Eine V2-Charakteristik kommt allerdings nur vage auf, da es eindeutig an Hubraum fehlt. Die hohe Laufruhe stellt sich hingegen auch bei erhöhter Geschwindigkeit ein. Die Ausgleichswellen sind präzise ausbalanciert.
Wie BMW neue Ideen für junge Leute umsetzt
Das Konzept: Lücke schließen mit Ansage
BMW hat mit dem Ende der G 310 GS ein Problem geschaffen – und mit der F 450 GS Trophy die Antwort gleich mitgeliefert. Die Münchner wollen nichts weniger als die erste echte GS für den A2-Schein: keinen abgespeckten Einstiegscompromiss, sondern ein vollwertiges Adventure-Motorrad mit dem kompletten GS-Erbanspruch. Zielgruppe ist dabei jeder, der es werden könnte – Fahranfänger, Wiedereinsteiger, Zweitmaschinen-Sucher. Das klingt nach Marktforschung, und das ist es wohl auch. Die Trophy-Variante setzt dabei noch einen drauf: Magnesiumteile, Sportfahrwerk, Easy-Ride-Clutch und Rally-Windschild sollen das Konzeptfahrzeug in die Serie retten. Das gelingt optisch gut, und die Verarbeitungsqualität wirkt auf den ersten Blick dem Markennamen angemessen – auf den zweiten Blick jedoch ist die Konkurrenz aus Fernost bei Finish und Ausstattungsumfang für deutlich weniger Geld nähergekommen, als BMW lieb sein kann. Mit 7.990 Euro zuzüglich Extras wie Speichenräder (die BMW-G-Modelle wie XChallenge kosteten zur Markteinführung 2006/2007 noch 9.000 €) für die Trophy bewegt man sich klar im Premiumbereich der Mittelklasse – ob der Aufpreis gegenüber Kawasaki, CFMoto oder Aprilia allein durch das Roundel gerechtfertigt ist, wird die Praxis zeigen.

Die erste Fahrt:
Die Easy-Ride-Clutch-(ERC-)Kupplung ist gewöhnungsbedürftig: Der erste Eindruck ist, als würde ein Roller nicht von selbst schalten. Dabei erlaubt der Kupplungshebel durchaus Eingriffe. An der Ampel erscheint denjenigen, die sich nicht so schnell eingewöhnen, die Anzeige im Display, die zum Runterschalten auffordert. Es sei denn, man möchte im 4. Gang anfahren, was auch irgendwie geht.Wir brauchen also noch etwas Zeit, um diese Technologie zu begreifen und zu nutzen.
Die F 450 GS wirkt relativ kompakt. Aufgrund der kleineren Räder ist sie etwas niedriger als Reiseenduros mit 21/18-Zoll-Reifen. Der Bodenkontakt ist daher auch für kleinere Personen gegeben und der Geradeauslauf wirkt souverän. Einzig die Pfunde der kleinen GS sind zu spüren: Stahlrahmen mit angeschraubtem Heck, breite Felgen samt Räder und natürlich die ERC fordern ihren Tribut. 14 Liter teurer Sprit lassen die 178 kg Leergewicht der 190-kg-Marke näherkommen. Noch ein Wort zur Schaltung: Dank BMW Quickshifter Pro geht diese auch ohne Kupplungshebel und selbst das Gas muss man nicht wegnehmen, was zu einem ansehnlichen Ampelstart befähigt.
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