Über die Alpen

Über die Alpen
Über die Alpen | Volken

Pässe sind mehr als Straßen über Bergkämme. Sie sind Scharniere zwischen Welten, Übergänge zwischen Kulturen, lebendige Geschichtsbücher aus Stein und Asphalt. Marco Volken weiß das. Der Tessiner Fotograf und Autor, der im Tessin aufwuchs und für den jede Fahrt in die restliche Schweiz über Gotthard, Nufenen oder San Bernardino führte, hat fünfzehn Alpenpässe portraitiert – aber nicht als bloße Wanderrouten, sondern als Kulturlandschaften mit Seele.

Von der Großen Scheidegg über den Gotthard bis zum Großen St. Bernhard führt Volken durch die Schweizer Alpen. Sein Buch vereint, was selten zusammenkommt: historische Tiefe, großformatige Fotografie und präzise Routenbeschreibungen. Wer den Gotthard kennt, wird ihn nach der Lektüre neu sehen. Wer die Luzisteig unterschätzte, wird staunen über ihre Geschichte als verkehrstechnisches Nadelöhr.

Volkens Stärke liegt in der Synthese. Er erzählt vom Saumpferd und der Autobahn, von römischen Meilensteinen und Bundessubventionen. Seine Fotos zeigen nicht die Alpen der Klischees, sondern jene der atmosphärischen Zwischentöne: morgendlicher Nebel über dem Furkapass, die Kulisse des Monte Ceneri im Abendlicht. Das ist kein Coffee-Table-Bildband, sondern ein Arbeitsbuch für Weitwanderer mit kulturellem Anspruch.

Volkens These: Pässe sind symbolträchtiger als Gipfel. Sie stehen nicht für Eroberung, sondern für Verbindung. Für die Schweiz, eingeklemmt zwischen großen Nationen, sind sie mehr als Infrastruktur – sie sind nationale Identität. Ein Buch, das zum Losgehen verführt.

 

 

 

Wasser hat viele Gesichter. Am Lago Maggiore zeigt es sie alle: verführerisch im türkisfarbenen Bergsee, bedrohlich bei Starkregen, umkämpft zwischen Italien und der Schweiz, tot und wiederbelebt im melancholischen Lago d'Orta. Dagmar Beckmann und Christoph Potting, beide Journalisten zwischen Frankfurt, Bretagne und Norditalien pendelnd, haben zwei Jahre lang recherchiert – und ein Reisebuch geschrieben, das keines sein will.

"Wege zum Wasser" ist Wanderführer und Investigativreportage zugleich. Die Autorin und der Autor führen entlang beider Seeufer, in die Seitentäler des Vallemaggia und Valle Onsernone, zu Wasserfällen und Feuchtgebieten. Doch während andere Reisebücher bei Villen, Palmen und Kamelien stehenbleiben, graben Beckmann und Potting tiefer: Sie erzählen vom Wassermangel in einer mediterranen Scheinidylle, vom Klimawandel, der den Lago Maggiore zum Hotspot internationaler Konflikte macht.

Drei Weltrekorde hält der Lago d'Orta – einer davon: die spektakulärste Seesanierung Europas. Vor dreißig Jahren war das Gewässer biologisch tot, versauert durch Industrieabwässer. Heute ist es Badeparadies. Diese Geschichten machen das Buch zu mehr als einem Wanderbegleiter. Es ist politisch, ohne moralisierend zu sein. Die Routenbeschreibungen sind präzise, die Hintergrundkapitel enthalten Substanz.

Wer die oberitalienischen Seen für Postkartenmotive hielt, wird hier eines Besseren belehrt. Beckmann und Potting zeigen eine Region zwischen Naturschönheit und ökologischer Krise – authentisch, journalistisch fundiert, ohne Schönfärberei.

Über die Autoren:

Marco Volken, geboren 1963 in Locarno, ist Fotograf, Autor und Bergwanderer aus Leidenschaft. Der Tessiner wuchs im Schatten der großen Alpenpässe auf – jede Reise in den Rest der Schweiz führte über Gotthard, Nufenen oder San Bernardino. Nach einer Ausbildung zum Fotografen arbeitete er zunächst in verschiedenen Studios, bevor er sich der dokumentarischen Fotografie zuwandte. Volken verbindet in seinen Projekten historische Recherche mit zeitgenössischer Bildsprache. Seine Arbeiten erschienen in zahlreichen Schweizer Medien und Ausstellungen. Er lebt und arbeitet im Tessin, wo er regelmäßig zu mehrtägigen Passüberquerungen aufbricht. "Über die Alpen" ist sein erstes größeres Buchprojekt, das fünfzehn Jahre Arbeit und unzählige Wanderkilometer dokumentiert.

Dagmar Beckmann, Jahrgang 1966, ist freie Journalistin und Autorin mit Stationen in Frankfurt, der Bretagne und Norditalien. Sie studierte Romanistik und Germanistik und arbeitet seit den 1990er Jahren für deutsche und Schweizer Zeitungen sowie Magazine. Ihre Schwerpunkte liegen auf Reisereportagen, Kulturthemen und Umweltjournalismus. Beckmann verbindet dabei stets das Erzählerische mit kritischer Recherche – ihre Texte fragen nach den Geschichten hinter den Landschaften. Zusammen mit dem Fotografen und Journalisten Christoph Potting (geboren 1954 in Nordrhein-Westfalen, ebenfalls zwischen Deutschland, Frankreich und Italien unterwegs) entwickelte sie das Konzept für "Wege zum Wasser". Das Duo arbeitet seit Jahren an Projekten, die ökologische Fragen mit Reiseliteratur verbinden. Beide leben zeitweise am Lago Maggiore.

Kommentare

Was ist die Summe aus 2 und 7?