von Markus Golletz (Kommentare: 0)
Leatt 8.5 ADV HydraDri Stiefel
Leatt 8.5 ADV HydraDri – Der Mittelweg
Leatt versucht mit dem neuen 8.5 ADV HydraDri Stiefel eine Lücke zu schließen. Wer den 7.5 ADV zu weich fand und den 4.5 Enduro zu steif, bekommt jetzt eine dritte Option. Das klingt nach Marketing, ist aber nachvollziehbar: Viele Tourenfahrer wollen mehr Schutz als ein typischer ADV-Stiefel bietet, ohne gleich in einen Race-Boot zu steigen.
Aufbau und Material
Der 8.5 kombiniert das untere Chassis vom 4.5 Enduro mit dem weicheren Nubuk-Oberteil vom 7.5 ADV. Das Resultat: Ein Stiefel, der sich deutlich weniger sperrig anfühlt als ein Enduro-Boot, aber trotzdem mehr Halt gibt als reine Tourenstiefel. Ein Enduro-Scharnier am Knöchel soll die Bewegung kontrollieren, während ein seitlicher Flex-Limiter die Stabilität bei größeren Einschlägen verbessern soll.
Innen verbaut Leatt 3DF-Schaumstoff am Knöchel und eine verstärkte Schienbeinplatte. Die HydraDri EVO-Membran verspricht 20.000 mm Wassersäule und 20.000 g/m² Atmungsaktivität – das ist Standardkost in dieser Preisklasse. Das Nubuk-Leder ist zusätzlich imprägniert.

Tragekomfort und Funktion
Unter der Sohle liegt eine PU-Schaumschicht zur Dämpfung, dazu ein Stahlschaft für Fußunterstützung und eine erweiterte Zone fürs Pedalfahren. Der Fersenbereich soll den Halt verbessern, wenn man viel auf den Fußballen steht – wichtig bei längerem Offroad-Fahren.
Oben ersetzt ein "SlideLock" Klettverschluss die sonst übliche vierte Schnalle. Die drei unteren Schnallen sind aus geschmiedetem Aluminium. Die Innenseite ist flach und griffig gehalten, die Zehenbox niedrig – hilfreich bei eng stehenden Schalthebeln. Die Sohle soll sowohl auf dem Rasten als auch zu Fuß funktionieren, ein Kompromiss, den man bei Hybrid-Stiefeln immer eingeht.
Einordnung
Leatt gibt an, der 8.5 sei etwa 20 Prozent leichter als vergleichbare Stiefel. Das Gewicht wird im Prospekt nicht genannt, auch nicht beim Onlinehändler – man muss also darauf vertrauen oder selbst wiegen. Der Stiefel erreicht die CE-Zertifizierung EN13634:2017 Level 2222, was die höchste Schutzstufe für Motorradstiefel ist.
Der Preis liegt bei um die 430-460 € (gelistet bei Revzilla, vermutlich auch bei Louis, FC-Moto, Hostettler AG). Das ist im oberen Mittelfeld für ADV-Stiefel angesiedelt, aber deutlich unter Race-Boots von Alpinestars oder Sidi. Man zahlt hier auch für das Membransystem und die Nubuk-Verarbeitung.
Ein Detail noch: Wie bei den meisten Leatt-Stiefeln wird auch der 8.5 höchstwahrscheinlich in China gefertigt. Das ist bei dieser Preisklasse mittlerweile Standard – nur einige wenig italienische Traditionsmarken produzieren noch in Europa (GAERNE). Leatt selbst ist eine südafrikanische Firma, die für Entwicklung und Qualitätskontrolle bekannt ist, während die Produktion ausgelagert wird.

Umwelt & Fazit
Der 8.5 ADV HydraDri macht Sinn für Fahrer, die zwischen Touren- und Enduro-Einsatz pendeln. Wer hauptsächlich Schotter fährt, wird wahrscheinlich besser mit dem leichteren 7.5 bedient. Wer viel technisches Gelände fährt, greift eher zum 4.5. Der 8.5 ist für diejenigen, die sich nicht entscheiden wollen – oder können.
Ob das Konzept aufgeht, wird sich zeigen. Die Idee eines Hybrid-Stiefels ist nicht neu, und oft scheitert sie daran, dass man am Ende bei beiden Disziplinen Kompromisse eingeht. Aber manchmal funktioniert genau das – wenn man realistisch bleibt, was man von einem Stiefel erwarten kann.
Leatt macht beim 8.5 ADV Stiefel (und der gesamten HydraDri-Linie) einiges richtig: PFAS-freie Imprägnierung und Bluesign-zertifizierte Stoffe. Das ist mehr als viele Konkurrenten bieten. Aber für jemanden, der Wert auf umfassende Transparenz und Unternehmens-Nachhaltigkeit legt, bleibt Leatt eine Black Box – klassisch für den Sektor.
Erhältlich in Schwarz/Grau oder Schwarz/Bronze, Größen US 5-13 (EU 38-48).
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