von Markus Golletz (Kommentare: 0)
Rezension Motorrad-Magazin AT
Motorrad Magazin: Eine österreichische Stimme mit eigenem Ton
Unter der Leitung von Chefredakteur Peter Schönlaub hat sich das Motorrad-Magazin im Crossover-Segment positioniert und dabei einen bemerkenswert eigenständigen Kurs eingeschlagen. Seit 1995 am Markt, ist es mittlerweile die einzige verbliebene österreichische Motorradzeitschrift – ein Alleinstellungsmerkmal, das für sich spricht.
Was sofort auffällt: die klare Abgrenzung von Bloggern und Influencern. Statt auf reichweitengetriebene Selbstinszenierung zu setzen, verlässt sich das Magazin auf journalistische Substanz – eine Haltung, die im aktuellen Motorradmedienmarkt zunehmend selten geworden ist.
Inhaltlich überzeugt die Breite: Sowohl On- als auch Offroad-Tests gehören zum festen Repertoire, was dem Anspruch eines echten Crossover-Mediums gerecht wird. Bemerkenswert ist auch die Offenheit gegenüber chinesischen Herstellern, die hier ebenso selbstverständlich getestet werden wie die etablierte Mittelklasse – nicht nur BMW und Ducati. Das zeugt von einer Aufgeschlossenheit, die vielen Konkurrenztiteln fehlt, wo chinesische Marken noch immer eher belächelt als ernst genommen werden.
Der Schreibstil trägt eine unverkennbar österreichische Schnauze – direkt, pointiert, mit Ecken und Kanten, ohne dabei in Effekthascherei abzudriften.

Besonders gelungen ist die Bewertungsmethodik: Statt Motorräder in ein starres Punkte- und Kategorienraster zu pressen, wird stärker aus dem Gefühl heraus bewertet. Das mag weniger vergleichbar wirken als eine tabellarische Punktematrix, trifft aber oft näher am tatsächlichen Fahrerlebnis – schließlich entscheidet am Ende selten die Summe einzelner Messwerte, sondern der Gesamteindruck auf der Straße.
Bei Elektrobikes gibt sich die Redaktion technologieoffen, ohne sich ins Hype-Thema hineinzusteigern: Interessante Neuerscheinungen werden getestet, sobald es welche gibt – die sind aktuell aber überschaubar. Das deckt sich mit der Marktrealität: Die Verkaufszahlen elektrischer Motorräder sind schwach, weshalb selbst Hersteller wie BMW ihre E-Strategie spürbar zurückgefahren haben (DC Roadster).
Wer das Heft lesen will, muss in Deutschland allerdings suchen. Am Kiosk ist das Magazin hierzulande nur an wenigen zentralen Verkaufsstellen präsent. Print- und Digitalausgaben lassen sich aber direkt über die Website bestellen (Einzelheft: 6,40€), ebenso Auslandsabos – eine Option, die eine kleine, aber treue deutsche Fangemeinde bereits nutzt.
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