von Markus Golletz (Kommentare: 0)

Stellantis FIAT TRIS Ape electric

Die elektrische Rückkehr einer Legende: Fiat TRIS belebt den Geist der Ape

Ein dreirädriges Kultfahrzeug kehrt zurück – diesmal mit Elektromotor und unter neuer Flagge

Als Piaggio Ende 2024 die Produktion der legendären Ape in Europa einstellte, trauerten Fans des ikonischen Dreirads weltweit. Doch nur wenige Monate später präsentiert Fiat Professional eine Überraschung: den TRIS, ein elektrisches Dreirad, das die Lücke füllen soll, die die Ape hinterlassen hat. Die Markteinführung in Europa steht unmittelbar bevor – Italien macht im Jahr 2026 den Anfang.

Das Ende einer Ära, der Beginn einer neuen

Die Geschichte des TRIS beginnt paradoxerweise mit einem Ende. Nach 77 Jahren musste Piaggio die europäische Produktion der Ape aufgeben – nicht aus mangelndem Interesse, sondern wegen verschärfter EU-Abgasvorschriften und Sicherheitsbestimmungen, denen das benzinbetriebene Dreirad nicht mehr genügen konnte. Die Produktionsstätte in Pontedera bei Pisa wurde im November 2024 geschlossen; seitdem wird die Ape nur noch in Indien gefertigt.

Doch bei Fiat erkannte man eine Chance. Olivier François, CEO von Fiat und Abarth sowie globaler Chief Marketing Officer von Stellantis, trieb die Entwicklung eines modernen Nachfolgers voran. "TRIS ist mehr als nur ein neues Fahrzeug – es ist ein Durchbruch in der Art und Weise, wie wir über urbane Mobilität denken", erklärt der französische Manager, der seit 2011 die Geschicke der Marke Fiat lenkt.


Vor fast 25 Jahren: Mit der Ape über die Alpen

Italienisches Design trifft marokkanische Produktion

Das Design des TRIS entstand im legendären Centro Stile in Turin, dem Designzentrum von Fiat in der Officina 83 im Mirafiori-Komplex. Hier, wo bereits Ikonen wie der moderne Fiat 500 entstanden, entwickelten die Designer ein Fahrzeug, das die DNA der klassischen Ape mit zeitgenössischen Elementen verbindet. Der Name TRIS – italienisch für "drei" – bezieht sich nicht nur auf die drei Räder, sondern auch auf das modulare Design und die charakteristische LED-Anordnung mit drei Lichtern.

Die Produktion findet allerdings nicht in Italien statt, sondern im marokkanischen Stellantis-Werk in Kenitra, nahe der Hauptstadt Rabat. Dort laufen seit 2019 verschiedene Stellantis-Modelle vom Band, darunter seit Frühjahr 2025 auch Elektro-Kleinstfahrzeuge wie der Citroën Ami, Fiat Topolino und Opel Rocks. Die Entscheidung für den nordafrikanischen Standort war strategisch: Dort startete der TRIS bereits im September 2025, um gegen die zunehmende Konkurrenz chinesischer Lasten-Dreiräder anzutreten.

Technologie aus dem Topolino, Konzept von gestern für morgen

Technisch basiert der TRIS auf bewährter Stellantis-Technologie. Das Herzstück bildet eine 6,9 kWh große Lithiumbatterie – dieselbe, die bereits im elektrischen Fiat Topolino zum Einsatz kommt. Sie wurde jedoch für den professionellen Einsatz optimiert und verspricht eine Reichweite von (max.) 90 Kilometern nach WLTC-Norm. Der 48-Volt-Elektromotor leistet 9 kW (12 PS) bei einem maximalen Drehmoment von 45 Newtonmetern – deutlich mehr als die kline klassische Benziner-Ape je bot, eine P601 kann man damit allerdings nicht abhängen, die fährt auch 65 Sachen.

Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h fällt der TRIS in die Leichtfahrzeugklasse L6e, was die Zulassungsanforderungen vereinfacht und bedeutet, dass bereits Jugendliche ab 15 Jahren mit einem Mofa-Führerschein das Fahrzeug steuern dürfen. Das Aufladen erfolgt unkompliziert an einer gewöhnlichen Haushaltssteckdose: In dreieinhalb Stunden ist die Batterie zu 80 Prozent geladen, nach 4 Stunden und 40 Minuten vollständig. Ein Typ-2 Schnellader ist leider nicht vorgesehen.

Europa als nächster Schritt

Ursprünglich war der TRIS primär für Schwellenländer in Afrika und dem Nahen Osten konzipiert. Doch der Erfolg und die Nachfrage ließen Fiat umdenken. Auf der Brüsseler Automesse im Januar 2026 präsentierte Fiat Professional das Dreirad offiziell für den europäischen Markt. "Europa könnte das nächste Land sein, denn diese Art von intelligenter, nachhaltiger Lösung spricht eine universelle Sprache", so François.

Der TRIS wird in drei Konfigurationen angeboten: als reines Fahrgestell für individuelle Aufbauten, als Pritsche mit offener Ladefläche und als Pick-up mit Bordwänden. Bei einer Gesamtlänge von nur 3,17 Metern bietet das Fahrzeug eine Ladefläche von 2,25 Quadratmetern – genug für eine Europalette. Die Nutzlast beträgt bis zu 540 Kilogramm bei einem zulässigen Gesamtgewicht von 1.025 Kilogramm. Der Wendekreis von gerade einmal 3,05 Metern macht das Dreirad zum idealen Gefährt für enge Altstadtgassen.

Preisgestaltung und Marktchancen

In Marokko wird der TRIS für umgerechnet rund 4.500 bis 5.000 Euro angeboten. Für Europa rechnet man seit der Vorstellung in Brüssel mit einem Preis um 8.000 € – nicht unbedingt günstig für ein Versicherungskennzeichen-45 km/h Fahrzeug. Damit positioniert sich die TRIS als halbwegs erschwingliche Alternative für Handwerker, Lieferdienste und mobile Geschäfte, die eine umweltfreundliche Lösung für die letzte Meile suchen.

Samir Cherfan, Chief Operating Officer von Stellantis für den Nahen Osten und Afrika, betont die Bedeutung des Projekts: "Stellantis engagiert sich im Bereich Mikromobilität, denn in der MEA-Region wächst die Nachfrage nach Mobilitätslösungen rapide. Es geht nicht nur um die Fortbewegung von Menschen – es ist ein wichtiger Motor für Inklusion und regionales Wirtschaftswachstum."

Ein Tribut an italienische Tradition

Der TRIS ist mehr als nur ein Nutzfahrzeug, leider nur für eine Person – er ist ein Tribut an die italienische Automobilgeschichte. Die Piaggio Ape, 1947 erstmals vorgestellt, prägte über Jahrzehnte das Straßenbild von Palermo bis Domodossola. Ihr charakteristisches Knattern, die offene Kabine und die unverwüstliche Mechanik machten sie zum Symbol italienischer Lebensart und pragmatischer Mobilität.

Nun schreibt Fiat dieses Kapitel weiter – leiser, sauberer, aber mit demselben Versprechen: ein wendiges, praktisches Gefährt für den urbanen Alltag. Ob der TRIS die Herzen der Ape-Fans erobern kann, wird sich zeigen. Fest steht: Die dreirädrige Tradition rollt weiter – diesmal elektrisch.


Der Fiat TRIS soll 2026 zunächst in Italien auf den Markt kommen, weitere europäische Länder sollen folgen. Konkrete Preise für Deutschland wurden noch nicht genannt.

Antrieb & Leistung

  • Antriebsart: Rein elektrisch mit 48-Volt-Architektur
  • Motor: Elektromotor mit 6 kW Dauerleistung und 9 kW (12 PS) Spitzenleistung
  • Drehmoment: 45 Nm
  • Höchstgeschwindigkeit: 45 km/h (L6e-Leichtfahrzeugklasse)

Batterie & Reichweite

  • Batteriekapazität: 6,9 kWh Lithium-Batterie
  • Reichweite: Bis zu 90 km (nach WMTC-Zyklus)
  • Ladezeit:
    • 0-80%: 3,5 Stunden
    • 0-100%: 4,4 bis 5 Stunden
  • Ladeanschluss: Integrierter 220/230V-Stecker für Haushaltssteckdose (keine Wallbox-Ladung möglich)

Abmessungen & Gewichte

  • Länge: 3,17 Meter
  • Wendekreis: 3,05 Meter (dank einzelnem Vorderrad)
  • Vorderrad: 12 Zoll, einarmig geführt
  • Ladefläche: ca. 2,25 m² (passend für eine Europalette)
  • Ladevolumen: Bis zu 3 m³
  • Nutzlast: Bis zu 540 kg (je nach Konfiguration)
  • Zulässiges Gesamtgewicht: 1.205 kg

Ausstattung

  • LED-Beleuchtung im Fiat-Pixeldesign mit zündungsaktiviertem Abblendlicht
  • 5,7-Zoll-Display im Cockpit (zeigt Reichweite, Batteriestand etc.)
  • USB-C-Anschluss
  • 12-Volt-Steckdose
  • Dreipunktgurte
  • Rückfahrsummer
  • Waschwasserbehälter mit Scheibenwischer
  • Kabine ohne Türen (zu den Seiten offen)
  • 3 x 12 Zoll Schlauchlosräder, 2x Trommelbremse, 1x Feststellbremse hydraulisch vorne

Verfügbare Varianten

  1. Fahrgestell-Kabine (für individuelle Aufbauten)
  2. Pritsche (offene Ladefläche)
  3. Pick-up (mit Bordwänden/Seitenwänden)

Markteinführung & Preis

  • Start: 2026 in Europa, beginnend in Italien
  • Produktion: Marokko (Stellantis-Werk Kenitra)
  • Geschätzter Preis: ab 8.000 Euro
  • Führerschein: Fahrbar mit Klasse AM ab 15 Jahren (bei Drosselung auf 6 kW) | Achtung: Zulassung dieser Version nur für eine Person!

Der FIAT TRIS ist als moderner, elektrischer Nachfolger der legendären Piaggio Ape konzipiert und fällt in die Leichtfahrzeugklasse L6e.

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