BMW CE 04: Design oder nicht sein

Design Scooter made by BMW

 Testzeitraum bis 30.6.2022

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ie BMW sieht aus, wie ein Ding aus einer anderen Welt. Fehlt noch, das es beim nächsten Update keine Räder mehr gibt und man dahingleitet wie Luke Skywalker schon 1978. Polarisierend ist dieser Roller oder man merkt, das die konventionelle Motorrad-Szene eine alternde ist. Um es frei heraus zu sagen: am CE 04 funktioniert alles, ein typisches BMW Motorrad mit Perfektionsanspruch wie die GS und trotzdem ein Hingucker.
Wie praktisch das alles ist, wie die Technik funktioniert und an was man sich alles gewöhnen muss erfahrt ihr hier in diesem Test von 2022!
Lest also hier unsere Erfahrungen.

Erste Bewertungen:

  • Kein Soundgenerator, kein Sitzbankfach
  • kein adaptives Fahrwerk, Gabel etwas unterdämpft
  • Dynamic Fahr-Modus nur als Sonderausstattung
  • State of the Art, was an elektrischer Technik geht
  • Top Zusammenarbeit der Fahrmodi mit der DCT Traktionskontrolle, sehr gute Traktion
  • Stauraum für Helm und Kabel, Seitentasche (Sonderausstattung)
  • Sitzbank für 3! Endlich ein elektrischer Rückwärtsgang
  • Display und Scheinwerfer vorbildlich (allerdings kein asymmetrischer Lichtkegel)
  • ausgeklappter Seitenständer wirkt als Feststellbremse

6. Fahren bei Hitze

Elektrisch fahren bei 30°C
30.06.2022

Das Thermometer steigt auf über 30°C, die BMW CE04 macht sich Luft: ein Ventilator läuft, kühlt, ja was eigentlich? Die Elektronik, den Akku wahrscheinlich. Denn Lithium Ionen oder Polymerbatterien fühlen sich wohl bei Temperaturen, ähnlich wie der Mensch. Ist es über 30°C oder unter 5°C muss der Akku temperiert werden, damit er anstandslos seine Arbeit verrichtet.

Das klappt alles automatisch, obwohl die Reichweite mit Sicherheit bei extremer Kälte sinkt.
Heute gab es erstmals zwei kleine Rutscher, beim Gas geben auf heißen Asphalt. Den Pirelli Scorpion Reifen ist das sicherlich nicht anzukreiden, eher dem Asphalt und dem hohen Drehmoment des Roller-Antriebes. Die solitäre Bremsscheibe zeigt hinten, das die Gewichtsverteilung bei einer Bremsung nur hinten nicht optimal ist. Da pfeift es, das ABS arbeitet früh. Erst wenn man, wie man es versiert machen sollte auch die Scheiben vorne mit benutzt, nimmt das Tempo signifikant ab. Allerdings kann es bei all zu beherzten Manövern passieren, das die weiche Gabel durchschlägt. Bei einer beherzten Bremsung mit Schlagloch kann man das sogar reproduzieren / provozieren. Alles nicht schlimm, aber es zeigt die Grenzen des Rollers mit dem langen Radstand und 235 kg Gewicht auf.

TRON-Design aus Italien?

Zeit genug, sich mal das Design des Rollers im Detail anzuschauen. Wenn der CE 04 ein Gebäude wäre, würde man von 'Scheinfassaden' sprechen. Vorne und hinten, seitlich hat der CE04 Plastikflossen, unter denen der Wind entlangstreicht. Sonst haben die Fassaden keine Funktion. Vorderrad und Scheibenbremsen sind weitestgehend abgedeckt, einen guter Windschutz passte den Designern anscheinend nicht ins Konzept. hinter der Verkleidung gibt es aber die Fächer für den Stromanschluss und die Handy-Lade-Klappe, die bestens funktioniert. Steht die CE 04 auf dem stylischen und schnörkellosen Aluminium-Seitenständer, kann man die Aluminium-Bodenplatte des riesigen Akkus in der sonne Blitzen sehen. Die Soziusfußrasten können getrost auch vom Solofahrer missbraucht werden, möchte man nicht im Fernsehsessel mit weit ausgestreckten Beinen wie auf dem Honda Helix-Roller thronen. An der Sitzbank scheiden sich die Geister; auch wenn sie nicht so aussieht ist sie bequem und vor allem Lang. Der Buckel markiert den maximalen Platz für den Solisten, unter der Sitzbank kann man durchschauen. Hinter der orangenen Sektion der Soziussitzbank ist abrupt Schluss und man schaut auf das federnde Hinterrad. Scheibenräder, einarmschwinge, solider Stahlrohrrahmen, fertig ist das laaaang gestreckte Designerstück. Wir wir finden: gelungen.

BMW: »Ein Design, das das Bedürfnis nach Funktionalität und klarer Ästhetik mit der digitalen Realität verbindet.«

5. Navigation

Elektrisch fahren im Schotter

Wenn schon elektrisch, dann richtig: Der CE-Roller lässt sich nicht nur mit dem Mobiletelefon verbinden, er lässt sich auch in einer speziellen Schublade im Cockpit vibrationssicher einlegen und Laden. Nötig ist dazu die BMW Motorrad Connected App die sich nach dem Download anstandslos mit dem Motorrad oder Roller verbinden lässt. Wer mag, kann sie mit einem Intercom-System im Helm verbinden, um Musik, Telefon oder Navi-Anweisungen zu hören.

Die Navigation funktioniert wie folgt: Auf dem Handy oder mithilfe der Roller Bedienelemente (linke Seite, Tasten und Dreh-Kipprad) wird ein Zielort und ggf. Zwischenziele eingegeben. Hilfreich sind eigene Favoriten (Wegepunkte) die man sich vorher als *.gpx-Datei in die App aufs Handy geladen hat.

Möchte man eine vollwertige Naviansicht auf dem 11 Zoll Cockpit sehen, muss einiges beachtet werden: Am Telefon müssen Bluetooth, WLAN und GPS aktiviert sein. Berechtigung für Position und Überblendung über andere Apps müssen der BMW Applikation erteilt werden. Startet man die Route, öffnet sich ein Tutorial, das beschreibt, wie man die Einblendung vollzieht: Sie erfolgt über WLAN, dabei Blinkt im Cockpit ein Monitor-WLAN Symbol und das Telefon fordert auf, KEINEN Bildschirmschoner oder eine Sperre zu aktivieren.

Routing und Karte werden eingeblendet und können, nachdem man das Telefon in die Tasche oder die Ladeschublade gesteckt hat weiter modifiziert werden. Berührt man den Handy Bildschirm, ist die Kartenansicht wieder weg, die WLAN Verbindung unterbrochen und es wird nur eine Roadbookartige Point-to-Point Pfeilnavigation angezeigt.

Standardmäßig ist das Routing auf 'Schnellste Strecke' eingestellt eigene Präferenzen (und Vermeidungen) ließen sich nicht abspeichern. Die Connected App funktioniert nur, wenn man vorher die aktuelle Karte im Bereich heruntergeladen hat. Bei aktiven mobilen Daten auch mit Anzeige der Verkehrssituation, Umleitungen und Alternativen.

 

4. Wie weit kann man fahren?

Elektrisch fahren im Schnee

Um die Reichweite zu ermitteln konnten wir nur Versuche an warmen Sommertagen unternehmen. Nach vollständigen Ladung zeigt das Cockpit meist eine Reichweite von 108 bis 111 km, je nach Modus, an. Bei der Reichweitenberechnung ist mit Schwankungen zu rechnen, weil die Elektronik nicht wissen kann, ob es auf der zu fahrenden Strecke bergauf, oder bergab geht, wie die Beladung ist oder ob es Rücken- oder Gegenwind gibt. Im Schnitt stimmt die Berechnung meist, wenn sich ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Steigung und Gefälle, Stadt- und Landverkehr auf dem Streckenprofil ergibt.


Testfahrt 1: Hannover nach Hildesheim, rund 40 km. Hinwege Autobahn, Modus Eco: Restreichweite 55 km am Ziel.

Rückfahrt (2): gleicher Modus, langsamer, Landstraße: Verbrauch: 38%, Restkapazität am Ziel 28%

Testfahrt 3: rund 95 km mit zwei Personen und Gepäck, sommerliche Temperaturen: Restreichweite 11 km. Bei 14 km kam eine Warnung, die Ladesäule anzufahren. Im Stadtverkehr kurz vor dem Ziel wuchs die Restreichweite wieder. Modus: Dynamic.

Der CE 04 fährt also gut für 100 km bei sommerlichen Temperaturen.Wenn nicht zu viel Autobahn oder Schnellstraße dabei ist. Das Zauberwort heißt gerade beim CE 04 rekuperieren, das geht soweit, das beim vorausschauenden Fahren gar keine Bremse benutzt wird – nur die Rekuperation. Sie ist in den Modi Dynamic und Road am größten.

Beim Laden wird empfohlen, (wie beim Handy-Akku) die untersten 20 und die obersten 20 % der Kapazität nicht zu nutzen. An der BMW ist es mir bisher nicht klar, ob 100% Anzeige 80 % Ladung bedeuten oder nicht. Im Alltag wird man sich meist eher akkufreundlich verhalten, auf der Reise, da stehen Versuche diesbezüglich noch aus. Zumal die Ladesäulendichte im ländlichen Raum rapide nachlässt.

Unser Durchschnittsverbrauch liegt derzeit bei 7,7 kW/h.

3. Entstehungsgeschichte CE 04

Concept Link

Elektrisch fahren: Top verbunden mit der BMW Motorrad Connected App

25.06.2022

Der CE 04 tritt das Erbe des erfolglosen C Evolution Rollers von BMW an. Als Concept Link entwickelt bleibt er ungemein nah an der futuristischen Studie und ist deswegen polarisiernd. Proportionen, Sitzbankdesign und die stretchige Länge blieben der Serie erhalten. In der Concept Studie war die Vernetzung von Fahrer, Helm und Bike von Bedeutung und wurde auch über die BMW Mobility App (BMW Motorrad Connected) realisiert. Hierrüber können Fahrzeugdaten und Zustände analysiert werden, Musik abgespielt oder ein einfaches Routing angestoßen werden. Nachdem eine Karte auf das Handy heruntergeladen wurde, funktioniert auch das Routing mit Karte. Das Telefon ruht dabei verbunden mit dem Motorrad in einer vibrationsgeschützten Schublade, quasi im Handschuhfach. Das Routing ist dabei mit Optionen (kurz, Schnell, kurvig, etc. bequem möglich und wird in die 11 Zoll Konsole im Cockpit eingeblendet. An die Bedienung muss man sich zuerst etwas gewöhnen - manchmal ist ein Eingriff am Telefon notwendig - ansonsten insgesamt eine schöne Integration.

Concept Link Studie: In der Serie fast erhalten

Zubehör und Customizing:

Als Zubehör gibt es bei BMW den Hauptständer, verschiedene Sitzbänke, Taschen und Windschilde samt Halterung. Auch die Hinterradabdeckung der Scheibenräder kann individuell designt werden. Alle diese Features sind bei BMW kostenpflichtig auf den Grundpreis von rund 12 Tausend Euro.

Informationen

2. CE 04 Lademanagement

CE 04 Laden

Sommeranfang 2022

Zwei passende Kabel sind im Lieferumfang, ein Ladegerät ist für den Hausgebrauch im 220V Kabel integriert. Dafür geht fast der gesamt Stauraum im Helmfach drauf. An der Ladesäule angekommen zuerst eine Enttäuschung, die sich aber gegen den Energieversorger richtet: nur eine 150A Schnelladesäule, hier wird ein anderen Stecker benötigt.

Mit dem CE 04 klappt das Laden dann easy. Hannover hat mittlerweile im öffentlichen Raum für die Elektro-Avantgarde ordentlich viele Säulen installiert (122 Ladepunkte pro 100.000 Einwohner). Mit dem Typ 2 Ladekabel für Wechselstrom (AC) ist der CE 04 diesmal nach knapp 1,5 Stunden wieder vollgetankt. Schließt man das Kabel an Säule und Motorrad an, laufen zuerst ein paar Abgleiche und Tests zum Kabel, Kapazität der Batterie und zur Ladegeschwindigkeit. Der Bordcomputer berechnet schnell die 'Abholzeit': wann der Akku voraussichtlich voll geladen ist. In den 1,5 Stunden an der Ladesäule wurden rund 75% des Akkus aufgeladen und die Zellen des Akkus ausbalanciert. Die genormte 80% Ladung ginge schneller und ist letztendlich Akku-schonender. Das kann man anscheinend von der Handy Akkupflege übernehmen.

2,50€ für 100 km

Bezahlen ging mit der Ladekarte in Sekundenschnelle. Das macht man vorher, wenn man die Säule scharf stellt. Beim Abholen reicht die Annäherung an den CE 04 mit dem Funkschlüssel. Druck auf den Startschalter und das Steckerkabel wird entriegelt, respektive der Ladevorgang wird beendet, falls er noch laufen sollte. Nur Gleichstrom-Ladesäulen haben ein fest montiertes Kabel (DC). Man nimmt zuerst am Fahrzeug das Kabel ab, dann an der Säule und räumt den Platz. Mit dem Motorrad ist das derzeit noch unkritisch, da Autos meist noch Platz haben, auch wenn ein Motorrad auf dem Gehweg steht. Selbstverständlich tankt man 100% regenerativ hergestellten Strom ('Ökostrom'). Sonst würde die ganze Angelegenheit keinen Sinn machen.

Für eine Tankfüllung (6,2 kW/h) werden so in Hannover maximal 2,42€ fällig. Sagen wir 2,50€ für 100 km.

 

Die aktuellen Tarife in Hannover für 'Fahrstromkunden:
AC-Laden: 0,39 €/kWh (+ 0,02 €/Minute ab 61. Lademinute, Zeittarif entfällt von 22 bis 8 Uhr)
DC-Laden: 0,47 €/kWh (+ 0,05 €/Minute ab 61. Lademinute)
Preis: 0,39 € pro kWh (+ 0,02 €/Minute, ab 61. Lademinute von 8 bis 22 Uhr

Zu Hause lädt man z. B. mit Ökostrom von EWS Schönau langsamer aber noch günstiger, derzeit für 30,5 Ct pro kW/h. Wegen der nun ausgesetzten EEG-Umlage wird nun Ökostrom für Bestandskunden sogar noch günstiger, zumindest bei seriösen Anbietern wie EWS Schönau.

1. Erster Tag: Umgang mit dem Gasgriff

Mit allen Features ...

17.06.2022

Der CE 04 hat alles, vor allem auch Rekuperation. Das macht zum einen das Bremsen weniger Notwendig, eine alte Marotte aus der Zeit des vor-elektrischen Zeitalters. Wählt man beispielweise den Fahrmodus 'Dynamic' so kann man bei feinfühligen Umgang mit dem Gasgriff sogar Energie erzeugen! In manchen Fahrmodi ist die Rekuperation, die Fähigkeit des E-Motors Energie im Schiebebetrieb in den Akku einzuspeisen recht krass ausgelegt. Nähert man sich also einer roten Ampel kann man wohlweißlich den 'Gashahn' langsam komplett schließen und kommt gänzlich ohne die Scheibenbremsen zu betätigen zum Stehen. Vorausschauendes Bremsen mit der Bremse, die nur Bewegungsenergie in Wärme umwandelt war also mit dem CE 04 gestern!

Genau so haben wir es uns gewünscht, auch bei dem Supersoco Test. Kumpan Elektrik und Zero haben einstellbare Rekuperation auch drauf, aber nicht so heftig, wie die BMW. Der Gasgriff und das vorausschauende Fahren bekommt so eine völlig neue Bedeutung, denn kann man die Bremswirkung des gewählten Fahrmodus im Schiebebetrieb richtig einschätzen, wird man förmlich zum Energie-Sammler. Kompliment auch zur Reichweiten-Berechnung, die ist beim CE 04 etwas praxisnäher, realistischer als bei anderen bisher getesteten E-Motorrädern. BMW steuert ein sehr ausgewogenes, adaptives DCT- Traktionskontrollsystem bei, das auch im beim Rekuperieren arbeitet und rutschende Räder erfolgreich vermeidet. Man merkt förmlich, was Technik bewirkt, damit ein Motorrad nicht ins Rutschen kommt und jederzeit eine annähernd maximale Traktion entfalten kann.

Fahren mit langem Radstand

Etwas gewöhnungsbedürftig ist der lange Radstand und der flache Lenkkopfwinkel (Respektive kleine, shoppermäßige Lenkwinkel) mit langen Nachlauf. Es gibt ein kleines Losbrechmoment und dann lenkt der CE 04 aber willig ein. Geradeaus fährt der CE 04 eigentlich stoisch. Zu doll anbremsen sollte man vermeiden, weil dann wegen der nicht einstellbaren Gabeldämpfung durchschlagen drohen kann. Vorsicht auch bei hohen Bordsteinen, die Unterseite des Rollers besteht aus den Alurippen des Akkus, die besser nicht verbeult werden sollten.

Kommentare zum Test

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